Wie werde ich meinen Job los?

Die Website www.jobwinner.ch wirbt zur Zeit mit dem Slogan „Jobs, in die man sofort wechseln will“. Die Kampagne wird durch eine Serie von Werbeclips unterstützt, die dem potentiellen Kunden Tipps gibt, wie man die alte Stelle sofort los wird. Grundsätzlich geht es um Verhalten, das eine fristlose Entlassung rechtfertigen würde.

Selbstverständlich ist die Werbung nicht ernst gemeint. Trotzdem verschweigt die Kampagne einen interessanten Fakt, der der breiten Bevölkerung weitgehend unbekannt ist: Nach schweizer Recht kann man jede Arbeitsstelle jederzeit verlassen unabhängig von seinem Vertrag. Die Konsequenzen sind minimal.

Art. 337d OR besagt, dass der Arbeitnehmer beim ungerechtfertigten Verlassen des Arbeitsplatzes, dem Arbeitgeber eine Entschädigung in der Höhe eines Viertels seines Monatslohns zu entrichten hat.

Der Arbeitnehmer wird in der Regel eine Arbeitsstelle nur für eine andere (bessere) verlassen. Die neue Arbeitsstelle wird in der Regel gleich oder besser bezahlt sein als die alte, so dass die abschreckende Wirkung der pauschalen Entschädigung praktisch irrelevant ist. Wurde der Arbeitnehmer sogar von einem anderen Arbeitgeber abgeworben, so wird er schlauerweise vereinbaren, dass dieser die „Strafzahlung“ begleichen muss.

Der Vollständigkeit halber ist anzumerken, dass das Gesetz vorsieht, dass der Arbeitgeber weitergehenden Schadenersatz verlangen kann. Doch in der Praxis gestaltet sich das schwierig. Es fällt dem Arbeitgeber in der Regel schwer, nachzuweisen, dass der Abgang eines konkreten Mitarbeiters ihm einen Schaden verursacht hat und diesen auch zu beziffern. Ferner ist zu beachten, dass dem Arbeitgeber als Geschädigten die Pflicht obliegt, den Schaden zu mindern. D.h. er wird nachweisen müssen, dass er sich darum bemüht hat, den Schaden abzuwenden, ihm dies aber misslungen ist; in der praktischen Anwendung ein schwieriges Unterfangen.

Vorsicht ist auch bei vertraglich vereinbarten Konkurrenzverboten geboten; diese behalten auch bei einem „Abgang“ nach Art. 337d OR ihre Gültigkeit. In der Regel wird für den Fall der Verletzung des Konkurrenzverbotes eine Strafzahlung vereinbart, die um Vieles höher sein wird als ein Viertel des Monatslohns.

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Über Titus Bosshard

Attorney at law. Partner at BOSSHARD GOOD.
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